Das Schwäbische Donautal: Auwaldverbund von nationaler Bedeutung


Fotos: U. Mäck (1), Martin Königsdorfer (1)
Das schwäbische Donautal zwischen Iller im Westen und Lech im Osten erstreckt sich über 87 km entlang der Donau und repräsentiert einen der größten zusammenhängenden Auwaldkomplexe in Deutschland. Teile der Landkreise Neu-Ulm, Günzburg, Dillingen und Donau-Ries im bayerischen Schwaben bilden zusammen 90% der Projektfläche. Flächen im Alb-Donau-Kreis und im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg machen die übrigen 10% des Projektgebiets aus.
Auf einer Länge von 50 km zieht sich zwischen Neu-Ulm und Höchstädt ein nahezu durchgängiges Auwaldband entlang des Flusses. Das Kerngebiet verfügt über eine herausragende Arten- und Biotopausstattung, darunter 150 Brutvogelarten, zahlreiche endemische Arten des Donauraums, über 500 Rote-Liste-Arten und 51 gefährdete Lebensraumtypen. Alle typischen Elemente einer natürlichen Aue wie z.B. Altwasser, Flutmulden, Auwaldbereiche, -wiesen und Stillgewässer, Röhrichte, Brennen sowie Quell- und Niedermoore sind noch vorhanden. Allerdings wird die natürliche Fließgewässerdynamik durch zehn Staustufen und die teilweise Eindeichung der Donau erheblich beeinträchtigt. Dies führte zu kontinuierlichen Veränderungen in den auf eine regelmäßige Überflutung angewiesenen Auwaldbeständen, die vielerorts bereits deutlich erkennbar sind. Außerhalb der Auwaldbereiche führt landwirtschaftlicher Intensivierungsdruck zur Beeinträchtigung naturnaher Lebensräume. Da natürliche und naturnahe Auwälder in Deutschland nur noch sehr selten zu finden sind und im Projektgebiet gute Chancen bestehen, die natürliche Dynamik zumindest teilweise wieder herzustellen, ist diesem Projekt aus Sicht des Naturschutzes eine herausragende Bedeutung beizumessen. Als Teil einer europäischen Biotopverbundachse entlang der Donau gilt dies nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im internationalen Bezug.
Mit dem übergreifenden Leitbild "Donauvital - Wald, Wasser und Mensch im Einklang" definiert der Trägerverein "Donautal-Aktiv e.V." gemeinsame Zielvorstellungen für den Naturschutz und die ländliche Entwicklung. Eine ökologisch intakte Auenlandschaft wird darin zur Basis für ein attraktives Naturerlebnis einerseits und landschaftsgebundene Produkte und Nutzungsformen andererseits. Die zahlreichen überzeugenden Maßnahmen und Umsetzungsideen bauen dabei konsequent auf bestehenden Strukturen, Plänen, Studien und Konzepten auf und entwickeln diese fachlich fundiert weiter.
Im Mittelpunkt der naturschutzfachlichen Ziele stehen wasserbauliche Maßnahmen, um die Aue durch regelmäßige Überflutungen zu dynamisieren und zu revitalisieren. Darüber hinaus sind waldbauliche Maßnahmen zur Förderung naturnaher Auwälder und die Sicherung von Offenlandlebensräumen durch großflächige Beweidung vorgesehen. Geplant sind der Bau von mindestens fünf Ausleitungsstellen, über die der Auwald auf einer Fläche von insgesamt ca. 690 ha geflutet werden kann. Das Donauufer soll auf einer Länge von 10 km, Flutmulden und Altwasser auf 20 km renaturiert werden. Zusätzlich ist geplant, 25 Baggerseen im Kerngebiet naturschutzfachlich aufzuwerten. Großflächige Beweidung, z.B. mit Schafen, Rindern und Hausschweinen, soll Offenlandlebensräume sichern. Trockenstandorte und Magerrasen auf einer Fläche von 65 ha sollen optimiert und zu einem Biotopverbund entwickelt werden. Waldbauliche Maßnahmen, eine naturnahe Waldbewirtschaftung und Vertragsnaturschutz sowie partieller Nutzungsverzicht sollen eine natürliche Entwicklung der Auwälder sicherstellen.
Im Projektteil "Ländliche Entwicklung" bildet die regionale Dachmarke "Schwäbisches Donautal - wasserreich" die Verbindung für die geplanten Projekte. Eine konsequente Projektauswahl stellt sicher, dass aus der Vielzahl möglicher Projekte diejenigen realisiert werden, die den größten Beitrag zur Gesamtentwicklung für die Region liefern. Innerhalb der Handlungsfelder "Naturerlebnis und Bildung" sowie "Landschaftsprodukte und Landnutzung" sollen regionale Wertschöpfungsketten entwickelt werden, beispielsweise durch die Vermarktung von Fischspezialitäten und Edelholz sowie von Weidetieren und Wildbret. Darüber hinaus ist die Entwicklung eines naturverträglichen touristischen Konzepts geplant, welches das Donautal als eine der fünf wichtigsten Auenlandschaften Deutschlands bekannt macht und als Urlaubsziel etabliert. Als besonders wichtige Maßnahme gilt dabei die Einbindung der Auwälder in das bestehende radtouristische Netz des Schwäbischen Donautals. Naturbeobachtungsstandorte sowie erlebnistouristische und kulturhistorische Angebote werden die Attraktivität der Region bei Auwaldtouristen weiter erhöhen. Umweltbildung in Schulen und Kindergärten sowie Informationen für Besucher vermitteln die Bedeutung des Donautals als Lebensraum für Mensch und Natur.
Das Projekt wird getragen von einer breiten regionalen Partnerschaft, in der alle relevanten Gesellschafts- und Interessengruppen miteinander vernetzt sind. Angestoßen durch das Modellvorhaben "Regionen aktiv" des BMELV sind zudem bereits Wertschöpfungspartnerschaften aufgebaut, an die angeknüpft werden kann. Die für die Dynamisierung und Revitalisierung der Aue wichtigsten Projektpartner wie die staatliche Wasserwirtschaftsverwaltung, die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) sowie die Bayerischen Staatsforsten haben ihre Unterstützung und aktive Mitarbeit zugesagt.
Präsentation des Gewinnerprojekts als pdf-Dokument (2 Seiten, Stand: Juni 2009)
Die Präsentation dieser Region als einer der zehn Gewinner der Stufe 1 (Stand: Mai 2008) steht im Menüpunkt
Finalisten zur Verfügung.
